Neue Kategorien und Kranzlimiten ab 2017 für Gewehr 300m


Nachtrag vom Freitag, 04. November 2016: Der SSV hat entschieden, den Karabiner nicht im Feld D zu belassen, sondern ebenfalls ins neue Feld E zu verschieben.
Somit sind das Stgw90, das Stgw57-02 und der Karabiner gemeinsam in einer Kategorie, wobei das Stgw57-03 nun alleine die Kategorie D belegt. Kateorie A bleibt unverändert. Der Beitrag ist entsprechend angepasst.


Viele mögen schon davon gehört haben, dass die Gewehrkategorien per 01. Januar 2017 ändern und die Kranzlimiten angepasst werden. Dass das Sturmgewehr 57/03 höher gewertet wird und das 90er tiefer.

Doch was ist da dran? Wie sieht das genau aus? Und warum überhaupt?

Das Warum, Weshalb und Wieso

Der SSV, genauer deren Technische Kommission Gewehr, hat in einer Stellungnahme die Sachlage begründet.
Der “Schuldige”, wenn man so will, ist das Sturmgewehr 57/03. Man stellte fest, das vor Allem seit der Einführung von Sportläufen die Punktequote markant angestiegen ist. Genau wie die Anzahl Schützen, die ein 57/03 ihr Eigen nennen.
Jene gesteigene Teilnehmerzahl ist aber nicht nur den Sportläufen zuzuschreiben. Ein Wechsel der bevorzugten Waffe auf das 57/03 kann vielfältige Gründe haben.


Der SSV merkt an, dass vor Allem ambitionierte 90er-Schützen auf das 57/03 umsteigen. Dies ist hauptsächlich den wesentlich höheren Anpassungsmöglichkeiten des 57/03 geschuldet. Ringkorn, Diopter, freie Wahl der Irisblende, andere Pistolengriffe, und eben Sportläufe; Dies alles bleibt dem in Sachen Zubehör doch recht eingeschränkten 90er verwehrt. Nicht nur deshalb ist die Teilnehmeranzahl, welche mit dem 90er schiesst und die Punktequote stetig am sinken. Beim 57/03 hingegen zeigen beide Pfeile nach oben.


Auch wurde festgestellt, dass Schützen, welche mit dem Standardgewehr weniger erfolgreich sind, vermehrt auf das 57/03 zurückgreifen. Wird letzteres doch gerne als “Standardgewehr auf Zweibeinstütze” bezeichnet, besonders wenn ein Sportlauf verbaut ist. Dementsprechend verwundert es nicht allzu viel, wenn auch die Teilnehmeranzahl und Punktequote der Sportwaffenfraktion talwärts schaut.

Nebenbei bemerkt sei, dass die Karabiner- und 57/02-Schützen vor sich hin stagnieren, sowohl bei den Punkten als auch der Teilnehmerzahl. Wobei der Karabiner eine leichte Abnahme der Teilnehmer aufgrund Überalterung erfahren muss.

Die neuen Kategorien

Nun ist also der Schuldige gefunden, und Begründungen für das “Vergehen” liegen auch vor. Was nun? Es folgt eine Neueinteilung der Kategorien.

Bisher waren jene folgendermassen aufgeteilt:

A: Sportwaffen (Stagw, FW)
B: 57/02
D: Ordonnanz (57/03, 90, Karabiner)
Neu wird das Feld so aussehen:
A: Sportwaffen
D: 57/03, Karabiner
E: 57/02, 90, Karabiner
Bei den Sportwaffen ändert sich also nichts (ausser den Kranzquoten, dazu später).

Um Verwechslungen mit dem alten System zu vermeiden, wurde das Feld B kurzerhand in E umgetauft und das 57/02 und 90er einander angeglichen. Die Idee dahinter ist, dass beide Waffen über eine Visierung mit Blockkorn verfügen und deshalb gleichgestellt sein müssten.

Dem Feld D bleibt die Bezeichnung Ordonnanz erhalten, es beheimtatet aber nurmehr das 57/03 und den Karabiner. Auch hier wurde auf gleiche Visierung geachtet, in diesem Fall haben beide Waffen eine Ringkornvisierung. Zumindest theoretisch, da der Karabiner nicht wie das 57er in verschiedene Visierkategorien aufgeteilt ist. Ein Schütze, der den Karabiner also mit offener Visierung schiesst, müsste gleich viele Punkte erzielen, wie sein Kamerad, der ein Diopter auf seinen Karabiner geklemmt hat.


Ein wenig der Verlierer des ganzen Ringelpiez ist der Karabiner. Nicht nur, dass dem oben schon angesprochenen Problem der Visierung immer noch nicht Rechnung getragen wird. Sondern auch die bleibende Gleichstellung zum 57/03. Hier sei besonders erwähnt, dass als Nicht-Veteran liegend frei geschossen werden muss.

Als Autor erlaube ich mir an dieser Stelle die dreiste Annahme, dass diese Tatsachen für den SSV wohl angesichts der sinkenden Teilnehmerzahl vernachlässigbar sind.

Die Punkte und Quoten

Kommen wir nun auch zu den Punkteanpassungen. Jene wurden aufgrund der beobachteten demographischen Entwicklungen sowie der erreichten Punktzahlen gesetzt. Der Einfachheit halber wird in diesem Artikel nur das klassische Programm 6EF + 4SF der Alterskategorie E/S behandelt; Die detaillierteren Dokumente vom SSV dazu sind am Ende dieses Artikels eingestellt.

Und so sehen die Kranzlimiten dann aus:

Kategorie A: 92
Kategorie D: 86
Kategorie E: 83
Im Vergleich dazu die Kranzlimiten des Vereinsstiches des Tessiner Kantonalschützenfest 2016:
Kategorie A: 90
Kategorie B: 81
Kategorie D: 84
Was kann nun daraus abgeleitet werden? Einfach gesagt: Ausser dem Sturmgewehr 90 und dem Karabiner muss mit allen anderen Waffen eine höhere Punktzahl erreicht werden.


Selbstverständlich sind die Veranstalter immernoch frei, wo genau sie die Limiten ansetzen. Der SSV geht von einer Abweichung von -2 Punkten auf die empfohlenen Limiten aus.
Bemerkungen

Ob sich dieses System bewährt, wird sich zeigen. Per 01.01.2017 wird es eingeführt und beobachtet. Das Jahr 2018 dient als Anpassungsjahr, falls Ungereimtheiten festgestellt wurden. Alsdann, der 01.01.2019 markiert den Tag, an dem die Anpassungen definitiv übernommen werden (sofern der Autor die etwas seltsam formulierte Erklärung des SSV richtig interpretiert hat).


Wichtig zu wissen ist noch, dass die kantonalen Schützenfeste 2017 nicht an das neue System angepasst werden. Dies, weil die Schiesspläne schon vor dem SSV-Entscheid feststanden und abgenommen wurden.

Hier sind nun, wie versprochen, die Dokumente vom SSV mit Begründung und den neuen Limiten:

Quelle Beitragsbild: 20minuten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.