Reisebericht 19. Kantonalschützen-fest Tessin


Die Schützen Hallau haben sich drei Tage lang in den Sonnenkanton begeben, um dem Tessiner Kantonalschützenfest beizuwohnen und selbstverständlich auch um Kugeln ins Schwarze zu befördern.
Das Ziel, Lugano, erreichten wir per Reisecar, den wir am Freitag in den frühen Morgenstunden mit müden, aber erwartungsvollen Schützen füllten. Die Luft war warm, die Hosen kurz, der Car-Kühlschrank gefüllt.


Die Route führte uns über bekannte Wege mit Halt an einem architektonischen Meisterwerk, welches die Autobahn im Knonauer Amt überspannt, um zu rasten und einen weiter weg wohnenden Schützen aufzugabeln.
Je näher wir dem Inneren der Schweiz kamen, desto interessanter wurde auch die Umgebung. Beton und Lagerhallen wichen Felswänden und Seen.
Der zweite Zwischenhalt wurde in Altdorf abgehalten, da die knurrenden Mägen langsam das Motorengeräusch zu übertönen drohten. Ein Hallauer führt ein Hotel nahe dem Telldenkmal und freute sich, uns mit Brötchen und Kaffee zu stärken.
Vor der Weiterfahrt entschied man dann, nicht durch, sondern über den Gotthard zu fahren. Und so manövrierte uns der Chauffeur mit Bravour die engen Strassen hoch, vorbei an den stehenden Autos, welche den scheinbar einfachen Weg durchs Gestein wählten. Auf über 2000 Meter über Meer angekommen, fanden diverse Füsse Abkühlung in einem Bergsee und diverse Kameras ein geeignetes Motiv.
Wo es hinaufgeht, geht es auch wieder bergab – und so schlängelte sich unser Reisecar talwärts nach Bellinzona. Beim Mittagessen in der Altstadt war denn auch die erste Gelegenheit, den lokalen Wein kritisch unter die Lupe zu nehmen. Fiel das Fazit erst mässig aus, wurde das Cuvée während des Hauptganges etwas mehr gelobt.
Die Sonne indes wich immer mehr dem Regen und so wurde der verlängerte Aufenthalt in Bellinzona kurzerhand ausgelassen und die Weiterfahrt nach Rivera in Angriff genommen.
Dort befand sich die Waffenkontrolle, die jeder Schütze zu durchlaufen und zu bestehen hatte. Nachdem die Ausfahrt zu jenem Gelände zwei Mal verpasst wurde (Beschilderung scheint keine Stärke der Tessiner zu sein) und der Chauffeur ein weiteres Mal sein Können mit engen Kehrmanövern unter Beweis stellte, konnten wir unser Arsenal schliesslich vorführen.
Jeder erhielt ein gelbes Etikett aufs Gewehr geklebt und wir machten uns auf nach Lugano.
Dem Regen ging mittlerweile das Wasser aus, und so wurde dann auch kurz nach Ankunft das hoteleigene Schwimmbecken von Hallauern regelrecht belagert.
Dem Abendessen folgten Informationen über den folgenden Tag und diverse Anfragen an das Servicepersonal, ob es denn noch Nachschlag gäbe? Gab es, glücklicherweise. Denn von den Knabbereien in der Bar wurde man nur mässig satt.

Der zweite Tag begann mehr oder weniger früh, je nach dem zu welcher Gruppe man gehörte. Denn dank vorausgehender Auskundschaftung des Schiessplatzes und dem Weg dorthin wurde festgestellt, dass der Reisecar keine Chance hätte, die gewundene und enge Strassenführung hoch nach Iseo zu passieren. So wurde im Vorfeld ein Kleinbus organisiert, der uns in zwei Tranchen hinauf beförderte.
Die „Schlachtenbummler“, also die nichtschiessenden Angehörigen, planten derweil eine Schiffsfahrt über den Lago di Lugano, um das malerische Morcote zu erkunden.
Auf dem Schiessstand derweil ging es ähnlich zu und her wie beim Wetter. Starke Regenfalle und warmer Boden ergaben teilweise so dicke Nebelschwaden, dass der Schiessbetrieb unterbrochen und der Nebel sogar für Rauch gehalten wurde.
Sei’s drum; Eine passende Gelegenheit, von den kulinarischen Spezialitäten der Tessiner zu kosten und unsere Teller mit Fleisch und Risotto zu füllen.
Die einheimischen Schützen wussten wohl auch genauestens über die meteorologischen Kapriolen Bescheid und fuhren schon am trockenen Morgen mit Zelten und Blachen auf.
Zeitlich waren wir gut dabei und schneller mit dem Programm eines jeden Schützen durch als angenommen – Die Resultate jedoch waren eher durchmischt. In der Tat bekundeten viele Hallauer Mühe mit den Eigenheiten des Schiessstandes. Enge Schalltunnels schlugen dem Auge ein Schnippchen, die Läger erforderten teils eine Anpassung der gewohnten Liegestellung. Allen widrigen Umständen zum Trotz erkämpften wir uns den 25. von 321 Rängen in der Vereinskonkurrenz mit durchschnittlich 93.547 Punkten. In der Gruppenrangliste gliederte sich der „Starke Sturm“, wie sich die auserwählte Gruppe passenderweise bezeichnete, auf Rang 17 von 81 mit einem Total von 2235 Punkten ein.
Wieder zurück im Hotel freuten wir uns auf den Grillabend, der auch durch die sparsamen Portionen nicht geschmälert wurde.

Der Tag der Heimfahrt kam und man gesellte sich, etwas später als gewohnt, wieder in den Reisecar, um die doch lange Reise anzutreten. Diese führte uns aber erst nach Mendrisio, dem Festzentrum, um die Ergebnisse abzurechnen und Gewinne einzuheimsen. Kranzauszeichnungen waren allerdings keine mehr vorhanden. Da wir erst am Ende des Schützenfestes in Lugano aufschlugen, waren uns die anderen Vereine zuvorgekommen und haben das Kranzkontingent bereits an sich gerissen. Nach einem darüber hinwegtröstenden Glacé, liessen wir uns wieder in die Sitze des Cars fallen und uns über den San Bernadino nach Splügen fahren, wo der Zvieri eingenommen und das Dorf etwas erkundet wurde. Auch für das obligate Gruppenfoto musste die Rheinwalder Bergkulisse herhalten.
Die Passage von Chur bis zum Knonauer Amt schien länger zu dauern als die ganze Fahrt selbst; Man merkte, dass sich die Müdigkeit ausbreitete. Die letzte Pause damit verbracht, sich über Wurstpreise zu echauffieren, schafften wir es dann gegen acht Uhr abends bei der Bank/Post in Hallau anzukommen.

Eine gelungene Reise, geprägt von kleinen Portionen, flüssigem Sonnenschein und herausfordernden Lokalitäten, ging zu Ende.
Schützen Hallau, Marcel Weber

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